Aus aktuellem Anlass

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Neuer AStA gewählt

Wie erwartet wurde auf der konstituierenden Sitzung des StuPa am vergangenen Donnerstag der neue AStA mit den Stimmen der Bürgerblock-Koalition bestehend aus RCDS, LHG, PARTEI und BTS gewählt. Bemerkenswert war dabei nicht nur, daß es auf der konstituierenden Sitzung geschah, sondern wie die Wahl ablief. In einer ungeheuerlichen Mißachtung des höchsten beschlußfassenden Gremiums der Studierendenschaft wurde von der erdrückenden Mehrheit des Bürgerblocks zunächst jede Frage, jede kritische Anmerkung, jeder Ansatz einer Debatte unter Zuhilfenahme von Geschäftsordnungsanträgen im Keim erstickt. Ebenso beispiellos war das Vorgehen bei der Wahl des StuPa-Präsidiums. Während in vergangenen Jahren das Präsidium sowohl aus Mitgliedern der Koalition als auch der Opposition bestand, wurde diesmal bereits im Vorfeld entschieden, die Posten im Präsidium nach Listenzugehörigkeit zu vergeben und das StuPa somit zu einem Abnickorgan für die Beschlüsse interner Kungelrunden zu degradieren.

Wie ist dieser Affront zu erklären? War er ein Audruck der gereizten Stimmung angesichts der vorzeitigen Veröffentlichungen einzelner Personalia und schließlich des Koalitionsvertrages? In diesem Falle hätte man besser daran getan, nach den undichten Stellen in den eigenen Reihen zu suchen, statt den Ärger am StuPa auszulassen. Oder spielten auch andere Beweggründe eine Rolle, nämlich der Schutz der rhetorisch und/oder inhaltlich schwächeren Mitglieder der Koalition vor der Diskussion? Hier wäre die Frage berechtigt, ob jemand für ein hochschulpolitisches Amt geeignet ist, der sich nicht auszudrücken vermag und einer kontroversen Debatte nicht standhält.

Die Praxis des Unterdrückens von Meinungsäußerungen der Opposition nahm erst bei der Wahl Kai Schumanns (PARTEI) zum AStA-Vorsitzenden ein Ende. Mit betont selbstbewußtem, selbstdarstellerischem Auftreten stellte er sich den Fragen aus dem StuPa und dem anwesenden Publikum. Mit zur Schau gestellter Planlosigkeit und reiner Machtgier entlarvte er in üblicher Manier die Mechanismen des bürgerlichen Politikbetriebs im Großen wie im Kleinen. So berechtigt dies auch sein mag, so fraglich ist, ob sich mit einer solchen Haltung das Amt des AStA-Vorsitzenden bestreiten lässt. Es bleibt daher abzuwarten, wie Kai Schumanns konkrete Amtsführung aussehen wird. Im weiteren Verlauf der Sitzung entspannte sich die Lage und die vorgeschlagenen Referentinnen und Referenten stellten in einer sachlichen Diskussion ihre Pläne und Ziele vor. Der Finanzreferentin Julia Buschhorn (LHG) gelang es sogar, Stimmen aus Teilen der Opposition zu bekommen, indem sie besonderes Interesse an ihrem Aufgabenbereich zeigte und im Gespräch mit dem ehemaligen Finanzreferenten Oliver Schwarz grundlegende Kenntnisse der Materie bewies.

Eine spannende Legislaturperiode steht also bevor und es bleibt zu hoffen, daß es trotz der notwendigen Härte in der politischen Auseinandersetzung nicht zu kleinlichen, persönlichen Streitereien kommt und sachliche Debatten im StuPa jederzeit möglich sind.

Konstituierende Sitzung des StuPa

Am Donnerstag den 21.7. findet um 16 Uhr auf der AStA-Ebene die konstituierende Sitzung des neuen StuPa statt. Ein Novum in diesem Jahr ist die außergewöhnlich schnelle Bildung einer Koalition, die den AStA stellen wird. Während in den vorherigen Jahren mehrere StuPa-Sitzungen ohne die Wahl eines neuen AStA vergingen und im letzten Jahr sogar mehrere Monate, kann nun mit der Wahl des AStA schon in der konstituierenden Sitzung gerechnet werden. Dies mag zunächst überraschend erscheinen, doch nie war die politische Konstellation so klar wie nach dieser Wahl und dem Sieg der bürgerlichen Gruppierungen. Erstmals wird es also an der Bergischen Universität einen Bürgerblock-AStA geben, welcher aus dem RCDS, der LHG, dem BTS und der PARTEI bestehen wird.

Unter Berufung auf Koalitionskreise kann man zur geplanten Postenvergabe bereits einige Aussagen treffen. So soll der AStA-Vorsitz mit Sebastian Richter (RCDS), Rainer Mucha (RCDS) und Kai Schumann (PARTEI) besetzt werden, in das Finanzreferat soll Julia Buschhorn (LHG) gewählt werden, während Carsten „Ace“ Dahlmann (LHG) und Florian Meier (parteilos) als Referenten für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen sind. Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit.

Neben dem neugeschaffenen „Service-Referat“ mit bislang unklarer Zielsetzung kann als weitere Kuriosität vermeldet werden, daß unter der Ägide von Sabrina Oesterwind (RCDS) der Bereich „politische Bildung“ aus dem bisherigen „Referat für Hochschulpolitik und politische Bildung“ entfernt werden soll. Einerseits ein falsches Signal angesichts eines historischen Tiefstandes bei der Wahlbeteiligung und einer im Allgemeinen beinahe vollständig fehlenden Politisierung, andererseits auch nicht völlig von Nachteil, denn auf diese Weise wird der Schaden begrenzt, den ein solches Referat unter einer konservativen Führung anrichten könnte.

Was nun?

Die StuPa-Wahl 2011 endete mit einem wenig überraschenden Ergebnis. Gewinner der Wahl ist eindeutig der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS), der 7 von 21 Sitzen im StuPa stellen wird. Ebenfalls deutliche Zugewinne zu verzeichnen hat die Liberale Hochschulgruppe (LHG), welche mit 3 Sitzen vertreten ist. Die Lehre aus diesem Wahlkampf scheint zu sein, daß massiver finanzieller und personeller Einsatz zum Erfolg führt. Der Campus wurde quasi tapeziert mit Plakaten des RCDS und der LHG, Passanten wurden auf dem Weg zur Mensa abgefangen oder mit Werbegeschenken geködert. Ein „professioneller“ Wahlkampf, der beinahe an Bundestags- oder Landtagswahlen erinnerte und über die bürgerliche Stammwählerschaft hinaus viele Stimmen von Wechselwählern eingebracht hat, die sich vermutlich anders entschieden hätten, wäre ihnen bewußt gewesen, daß sie Vorfeldorganisationen der CDU und der FDP ihre Stimme gaben. Dies mag man als bloße Spekulation abtun, doch tatsächlich ist es außerhalb des Kreises der hochschulpolitisch Interessierten weitgehend unbekannt, daß RCDS und LHG der CDU bzw. der FDP nahestehen.

Allein mit dem immensen Wahlkampfaufwand seitens der genannten Listen ist dieses Ergebnis jedoch nicht zu erklären, ebenso entscheidend war der (beinahe) fehlende sichtbare Wahlkampf der anderen Listen. Der übliche Sangría-Ausschank der Jusos fehlte dieses Jahr ebenso wie Flugblätter und anderes Wahlkampfmaterial. Plakate wurden von Jusos und Unabhängigen sparsam eingesetzt und bestanden lediglich aus dem Beitrag zur Wahlzeitung. Die GAL führte ebenfalls keinen Wahlkampf abgesehen von einigen Plakaten, die hochschulpolitische Forderungen vermissen ließen. Verließ man sich ganz auf seine Stammwählerschaft und persönliche Verbindungen, oder man legte es geradezu darauf an, die Wahlen zu verlieren, weil man der AStA-Arbeit inzwischen müde geworden war? Das RSF hingegen hatte Erfolg mit der Verbindung von marxistischen Grundsätzen mit realpolitischen Forderungen und wird sich diese Strategie auch in der Oppositionsarbeit der kommenden Legislaturperiode zueigen machen.

Wie wird nun aber die Konstellation im zu erwartenden bürgerlichen AStA aussehen? Einer schwarz-gelben Koalition fehlt zur absoluten Mehrheit eine Stimme, so daß eine dritte Liste hinzugezogen werden muß. Der dritte im Bunde dürfte schnell gefunden sein in der PARTEI, welche nicht nur inhaltliche Schnittmengen zu RCDS und LHG aufweist sondern laut eigener Aussage mit denen koalieren wird, die ihr zur „Macht“ verhelfen. Sollte es wider Erwarten doch nicht zu einer Koalition aus RCDS, LHG und PARTEI kommen, stünden eventuell noch die Jusos als Partner bereit. Wenn die Geschichte eines gelehrt hat, dann, daß man bei Sozialdemokraten mit allen Schandtaten rechnen muß, wie auch aktuell an der neuen RCDS, Jusos, LHG-Koalition im StuPa der Uni Mainz zu sehen ist.

In welcher Konstellation er auch zusammenkommen wird, es bleibt abzuwarten, ob ein bürgerlicher AStA an der Uni Wuppertal in der Lage sein wird, noch mehr „Service“ zu bieten als BAföG-Beratung, Rechtsberatung, Sozialberatung, Ticketrückerstattung, Beglaubigungen etc. pp. Wird er zudem die GEZ-Gebühren und die Zweitwohnsitzsteuer abschaffen? Man darf gespannt sein!

Wahlzeitung

Die offizielle Infozeitung zur StuPa-Wahl ist gedruckt und wird voraussichtlich in der kommenden Woche in Umlauf sein, mit einer Besonderheit: Der Beitrag des RSF wurde trotz fristgerechter Abgabe nicht berücksichtigt und wird nun jedem der insgesamt 1400 Exemplare separat beiliegen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Wahl selbst reibungsloser verlaufen wird als die bisherige Arbeit des Wahlausschusses, ansonsten drohen eine Annullierung der Wahl und anschließende Neuwahlen.

Wahlprogramm

Revolutionär Sozialistisches Forum (RSF) – Die marxistische Alternative!

Das Revolutionär Sozialistische Forum ist eine seit 2008 bestehende politische Hochschulgruppe mit marxistisch-humanistischen Zielen in Universität und Gesellschaft. Ausgehend von der Feststellung, daß die freie Entfaltung von Persönlichkeit, Interessen und Fähigkeiten das Recht eines jedes Menschen ist, tritt das RSF nach wie vor für eine kostenlose Bildung ein, die ihren Namen auch verdient. Mit der Abschaffung der Studiengebühren scheint der erste Schritt in diese Richtung unternommen worden zu sein, doch sollte man sich nicht der Illusion hingeben, das Thema sei endgültig vom Tisch. Eine andere Regierung wird die Studiengebühren umgehend wieder einführen, wenn sie keinen Widerstand seitens der Studenten zu erwarten hat.

Mit den Studiengebühren wurde jedoch nur eines der schwerwiegendsten Probleme beseitigt. Nach wie vor ist eine universitäre Bildung, die ihren Namen auch verdient, kaum möglich. Das Bachelor/Master-System hat aus der Universität eine Institution gemacht, die sich von der Schule nur durch anspruchsvolleren Lernstoff unterscheidet, ansonsten steht nicht das selbständige Forschen im Mittelpunkt, sondern die Jagd nach Leistungspunkten in straffen, vollgepackten Stundenplänen und stupides Auswendiglernen für ein Dutzend Klausuren. Dies kann nicht das Ziel eines Studiums sein, daher fordert das RSF die Abschaffung der modularisierten Studiengänge, einen deutlichen Abbau der Prüfungsbelastung und die Verlängerung der Regelstudienzeiten um zwei Semester. Auf diese Weise soll wieder ein stärker interessengeleitetes Studium ermöglicht werden, welches auch noch Zeit lässt für studentisches Engagement in all seinen möglichen Formen und außeruniversitäre Tätigkeiten.

 

Die weiteren Forderungen des RSF:

Mehr Lernräume schaffen!
Der Mangel an Lernräumen führt dazu, daß Studenten in der Kneipe und den Cafeterien lernen oder freie Seminarräume suchen müssen. Diesem Mißstand kann durch die Einrichtung neuer Lernräume leicht Abhilfe geschaffen werden.

150 Freikopien pro Semester!
Ein Kontingent an Freikopien für alle Studenten, wie es an anderen Hochschulen bereits existiert, sollte zur Entlastung der Studentenschaft auch an der BUW in Höhe von 150 Kopien eingeführt werden.

Mehr Geld für Fachbereich A!
Der Fachbereich A ist chronisch unterfinanziert während besonders der Fachbereich B, die sogenannte „Schumpeter School“, im Geld schwimmt. Dieses Mißverhältnis muß dringend ausgeglichen werden. Universitäre Bildung darf nicht ausschließlich Konzerninteressen dienen!

Zusammenführung von Semesterticket und Studentenausweis!
Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß ein Blatt DIN A 4 Papier als Semesterticket herhalten muß. Daher fordert das RSF die erneute Zusammenführung des Semestertickets mit dem Studentenausweis!

Sanierung der Toiletten!
„Wenn wir dereinst im Weltmaßstab gesiegt haben, dann werden wir, glaube ich, in den Straßen einiger der größten Städte der Welt öffentliche Bedürfnisanstalten aus Gold bauen. Das wäre die ‚gerechteste‘ und beste anschaulich-belehrende Verwendung des Goldes für die Generationen, die nicht vergessen haben, wie man des Goldes wegen zehn Millionen Menschen niedergemetzelt und dreißig Millionen zu Krüppeln gemacht hat “ – Lenin

Das RSF will nicht die Vergoldung der Toiletten fordern, aber eine gründliche Sanierung sollte schon heute im Bereich des Möglichen liegen. Der Zustand der Toiletten ist nämlich vor allem im Gebäude O nur noch als katastrophal zu bezeichnen.

StuPa-Wahl 2011

Das Revolutionär Sozialistische Forum wird nach einer zweijährigen Pause wieder zu den StuPa-Wahlen antreten und erneut für marxistisch-humanistische Ziele in Universität und Gesellschaft eintreten, aber vor allem auch auf konkrete Mißstände hinweisen und, wenn möglich, diese beseitigen.

Die allgemeinen und konkreten Forderungen des RSF sowie Kommentare zum Wahlkampf werden im kommenden Monat hier und in kürzerer Form auch im Facebook veröffentlicht.

Die Facebookseite des RSF: http://www.facebook.com/pages/Revolution%C3%A4r-Sozialistisches-Forum/101572319936748

Warum wählen?

Die StuPa-Wahlen sind vorbei und bald wird das alljährliche Postengekungel wieder in vollem Gange sein. Damit wollen wir uns an dieser Stelle aber nicht beschäftigen sondern uns vielmehr die Zeit nehmen, uns mit den Ursachen der äußerst niedrigen Wahlbeteiligung von 8,1% zu beschäftigen.

Niemanden scheint es zu geben, den diese geringe Zahl nicht empört oder verständnislos mit dem Kopf schütteln lässt und niemanden, der nicht die Hoffnung äußert, dies möge sich doch bei kommenden Wahlen ändern. Vorschläge, wie dieser Zustand zu beheben sei, sucht man allerdings vergeblich und höchstwahrscheinlich gibt es auch keine Patentlösung dafür, angesichts der Verschiedenheit der möglichen Ursachen. Aber was sind denn überhaupt die Ursachen? Oder zumindest eine der Ursachen?

Nur allzu leicht wird das Schlagwort „Politikverdrossenheit“ in die Runde geworfen und einiges spricht sogar dafür: Bei etwa 13.000 an der Universität eingeschriebenen Studenten sind die politisch Aktiven ein kleiner, überschaubarer Kreis, in dem Jeder Jeden kennt und die politisch zwar interessierten, aber nicht selber aktiven bilden ebenfalls längst keine Mehrheit. Es wäre jedoch zu einfach, 91,9% der Studenten an der BUW als politikverdrossen oder gar als politische Idioten abzustempeln.

Im Laufe einiger während der Wahlwoche geführten Diskussionen ergab sich, dass es neben jenen, die aus schlichter Unkenntnis und Uninformiertheit nicht wählen gingen, auch solche gab, die zwar politisch interessiert sind und außerhalb der Universität z.T. auch selber aktiv, die StuPa-Wahlen aber bewußt links liegen ließen, einerseits mit der Begründung, sie hätten keine Zeit gehabt, sich zu informieren, andererseits auch, weil sie das StuPa nicht ernst nahmen und seine Möglichkeiten als sehr gering einschätzten.

Grundlegende Veränderungen an der Hochschule werden tatsächlich nicht mit einem StuPa-Beschluss eingeleitet und 50% + eine Stimme im StuPa werden nicht die Studiengebühren kippen, was die Jusos aber nicht daran hinderte, die Studenten der BUW zu verhöhnen, indem sie auf Wahlplakaten vorgaukelten, die Studiengebühren abzuschaffen, sollten sie gewählt werden. Trotz alledem ist das StuPa jedoch eine Instanz, die man nicht vernachlässigen sollte, da sie als Tribüne dienen kann, auf der politische Positionen kommuniziert werden können. Mit folgendem Bild lässt es sich verdeutlichen: Das StuPa ist ein Misthaufen, dennoch sollte man sich von diesem Misthaufen nicht fernhalten, sondern sich wie ein Hahn auf diesen Misthaufen stellen, um gesehen zu werden.

Diese Ausführungen sollen nicht dazu dienen, die reflektierte Wahlenthaltung als Hauptursache für die geringe Wahlbeteiligung zu belegen sondern lediglich eine Ursache beleuchten, die sonst häufig unter den Tisch fällt. Tatsächlich dürfte schlichtes Desinteresse die Ursache gewesen sein, die den größten Ausschlag gegeben hat. Dabei handelt es sich leider auch nicht um ein reines Wuppertaler Problem, sondern lässt sich ebenfalls an anderen deutschen Unis beobachten, die ebenfalls nur Wahlbeteiligungen zwischen 7 und 15% aufzuweisen haben. An der Uni Dortmund fand dazu vor 10 Jahren eine Umfrage statt, deren Ergebnisse sich jedoch 1:1 auf die heutige Situation in Wuppertal übertragen lassen. Einige Beispiele:

„Ich hab´ nicht gewählt. Und zwar aus einer Mischung aus Unwissen und Faulheit“, so der Informatik-Student Mattias Stönemann ( 2. Semester). Er fühlt sich von den Listen schlecht informiert, hat aber auch kein echtes Interesse an der Wahl: „Die Infozeitung auf den Mensatischen, die hab´ ich mir nicht angeschaut.“

„Welche Wahl denn? Studentenparlament? Ich bin in der Woche nur zwei Tage an der Uni, da habe ich von der Wahl nichts mitbekommen.“ Doch auch sonst wäre die Dipl.-Pädagogin Marina Ehlig (4. Semester) wohl kaum zur Wahl gegangen, denn „der persönliche Bezug fehlt. Mein Interesse ist da nicht so groß.“

„Ich war nicht da. Irgendwie… eigentlich wollte ich ja wählen. Ich hab´ mir auch die Wahl-Zeitung angesehen und hatte mich schon entschieden. Aber dann kam ich nicht dazu.“ Trotzdem bezeichnet die Dipl.-Pädagogin Agnes Schattan (2. Semester) die StuPa-Wahl als wichtig.

Quelle: http://www.donews.de/oldstuff/wahlbeteiligung.html

Sehr aufschlußreich ist auch der Verlauf der Wahlbeteiligung an der Uni Mainz von 1948 bis 2000:

Jahr Wahlbeteiligung
1947 ca. 35%
1948 55,4%
1957 55,62%
1959 50,4%
1960 39,5%
1961 40,9%
1962 54,3%
1963 39,84%
1964 41,88%
1965 48,1%
1967 36,3%
1968 55%
1969 53,9 %
1970 52,3%
1973 42,5%
1974 44,7%
1974 35,33%
1976 38,66%
1977 36,74%
1978 32,92%
1980 28,6%
1981 33,2%
1982 21,7%
1983 25,23%
1984 24,13%
1986 26,80%
1987 22,23%
1992 17,70%
1997 11,5%
1998 7,6%
1999 8,75%
2000 9,2 %

Quelle: http://www.verwaltung.uni-mainz.de/archiv/html/st_wahle.htm

Nach Höchstwerten in den 50er, 60er und 70er Jahren ist ein deutlicher Einbruch in den 90er Jahren zu verzeichnen. Es ist zu vermuten, dass diese Statistik repräsentativ ist für die gesamte Hochschullandschaft der BRD und die Entpolitisierung der Hochschulen. Was also tun?
Eines steht fest: Eine Veränderung kann nicht isoliert in den Universitäten stattfinden, da die Entpolitisierung der Hochschulen nur Ausdruck einer allgemeinen Entpolitisierung ist. Sie muß aus der Gesellschaft selbst kommen und so verzweifelt die Lage in unserer Zeit auch sein mag, so sicher ist, dass das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen ist.

StuPa-Wahl 2010

Nach einem längeren Aufenthalt im klassischen Athen meldet sich das RSF wieder zurück mit einem Bericht über die diesjährigen StuPa-Wahlen.

Mit 8% lag die Wahlbeteiligung noch deutlich unter der ohnehin katastrophalen, aber für Univerhältnisse schon immens hohen Wahlbeteiligung von 14% im Vorjahr. Über die Ursachen dafür kann viel spekuliert werden, von der oft zitierten Politikverdrossenheit bis hin zu einer durch das Bachelor/Master-Modell geförderten studentischen Mentalität, in der neben der Jagd nach Punkten und Modulen kein Platz für weitere Betätigung bleibt. Nicht wenige Studenten wurden vergangene Woche überrascht von der Aufforderung, wählen zu gehen, einigen war nicht einmal bekannt, dass es überhaupt Wahlen an der Uni gibt. Es ist müßig, zu fragen, wer daran die Schuld trägt. Die genannten Studenten, weil sie offensichtlich mit Scheuklappen über das Unigelände laufen und weder die zahlreichen Wahlplakate noch die Wahlurnen an einigen zentralen Punkten bemerken, oder die Verantwortlichen, die die Durchführung der Wahl noch stärker in den Fokus hätten rücken können?

Das Wahlergebnis fiel einerseits den Erwartungen entsprechend aus, hatte andererseits aber auch die eine oder andere Überraschung zu bieten. Die gemeinsame Liste der Piraten-Hochschulgruppe und Campusgrün „Bündnis Freibeuter und Grüne“ ist wie zu erwarten war stärkste Fraktion geworden mit 6 Sitzen im neuen StuPa. Im Fachbereich E (Elektrotechnik, Informationstechnik, Medientechnik) erreichte diese Liste sogar um die 70% der Stimmen. Die Juso-Hochschulgruppe verlor trotz des Austritts ihres rechten Flügels in der vergangenen Legislaturperiode und der so stark verkleinerten Wahlliste nur einen Sitz und stellt weiterhin 5 Parlamentarier. Lira ist unverändert mit 4 Sitzen im StuPa vertreten trotz eines recht langweilig geführten Wahlkampfes mit aufgewärmten Slogans und Plakaten aus dem Vorjahr. Eine große Überraschung ist das Ergebnis des RCDS, der dieses Jahr nur mit vier Kandidaten antrat, seine Sitze aber verdoppeln konnte und nun komplett ins StuPa einzieht. Ihre Methode, während der Wahlwoche jeden Tag mehrere Stunden vor der Mensa mit einem Wahlwerbestand Präsenz zu zeigen und das sehr populäre Thema „Uni-Card“ in den Vordergrund zu stellen, hatte Erfolg und führte dazu, dass sie über ihre übliche Klientel hinaus
politisch ungefestigte Wähler mobilisieren konnten, die ansonsten wahrscheinlich nicht einmal zur Wahl gegangen wären. Ob die Betreffenden wissen, wem sie da ihre Stimme gegeben haben, bleibt fraglich. Fest steht jedoch, dass der RCDS nichts dem Zufall überließ und den sichtbarsten und engagiertesten Wahlkampf führte, zum Teil sogar mit auswärtiger Unterstützung aus den RCDS-Hochburgen Bonn und München. Demgegenüber erreichte die liberale Hochschulgruppe LHG ein enttäuschendes Ergebnis. 11 Kandidaten traten an, nur 2 von ihnen schafften den Einzug ins StuPa. Schuld daran könnte der zu zaghaft geführte Wahlkampf gewesen sein. Es schien beinahe, als hätte die LHG sich davor gefürchtet, als Liberale Hochschulgruppe aufzutreten, plakatierte sie doch stets nur als „LHG“ und mit dem eher klassisch sozialdemokratisch als liberal zu verstehenden Slogan „Evolution statt Revolution“. Last but not least hat die Satireliste Bund der Philhellenen wie erwartet keinen Sitz im StuPa erreicht, hat sie doch alle Register gezogen, um nicht gewählt zu werden. Ein für 95% aller Studenten kryptisch erscheinendes Wahlprogramm und Plakate, die entweder triefen vor Selbstironie („Wir haben die Patentlösung!“), unverständliche historische Bezüge beinhalten („Ostrakisiert den Hochschulrat!“) oder auf platteste Unterhaltungseffekte setzen („Sei kein Juso, trink Ouzo!“). Ein StuPa-Einzug der Philhellenen wäre also die mit Abstand größte Überraschung einer an Überraschungen nicht armen StuPa-Wahl gewesen.

Einführung in den Marxismus

Am kommenden Dienstag um 18:30 veranstaltet das Revolutionär Sozialistische Forum auf der AStA-Ebene einen Lese- und Diskussionskreis zur Einführung in den Marxismus. Wir haben uns bewußt entschieden, keinen Kapitallesekreis zu veranstalten, wie es zur Zeit auch wieder populärer wird, sondern bei den absoluten Grundlagen des Marxismus zu beginnen und dazu gemeinsam das Buch „Einführung in den Marxismus“ von Ernest Mandel zu lesen und zu diskutieren. Damit richten wir uns hauptsächlich an völlige Neulinge auf diesem Gebiet, die daran interessiert sind, etwas über den Marxismus zu erfahren, wobei wir uns aber auch Kritikern, denen an einer sachlichen Diskussion gelegen ist, nicht verschließen möchten.

Die Anschaffung der Lektüre ist den Teilnehmern freigestellt, aber nicht notwendig, da die besprochenen Abschnitte als Kopien ausgeteilt werden, so dass die Teilnahme für jedermann völlig kostenfrei ist. Erwartet wird nur Interesse am Thema, die Bereitschaft, Abschnitte von 5-10 Seiten zu lesen und die Teilnahme an der Diskussion. Der Lesekreis wird sich wöchentlich treffen, jeden Dienstag um 18:30 auf der AStA-Ebene.






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