StuPa-Wahl 2010

Nach einem längeren Aufenthalt im klassischen Athen meldet sich das RSF wieder zurück mit einem Bericht über die diesjährigen StuPa-Wahlen.

Mit 8% lag die Wahlbeteiligung noch deutlich unter der ohnehin katastrophalen, aber für Univerhältnisse schon immens hohen Wahlbeteiligung von 14% im Vorjahr. Über die Ursachen dafür kann viel spekuliert werden, von der oft zitierten Politikverdrossenheit bis hin zu einer durch das Bachelor/Master-Modell geförderten studentischen Mentalität, in der neben der Jagd nach Punkten und Modulen kein Platz für weitere Betätigung bleibt. Nicht wenige Studenten wurden vergangene Woche überrascht von der Aufforderung, wählen zu gehen, einigen war nicht einmal bekannt, dass es überhaupt Wahlen an der Uni gibt. Es ist müßig, zu fragen, wer daran die Schuld trägt. Die genannten Studenten, weil sie offensichtlich mit Scheuklappen über das Unigelände laufen und weder die zahlreichen Wahlplakate noch die Wahlurnen an einigen zentralen Punkten bemerken, oder die Verantwortlichen, die die Durchführung der Wahl noch stärker in den Fokus hätten rücken können?

Das Wahlergebnis fiel einerseits den Erwartungen entsprechend aus, hatte andererseits aber auch die eine oder andere Überraschung zu bieten. Die gemeinsame Liste der Piraten-Hochschulgruppe und Campusgrün „Bündnis Freibeuter und Grüne“ ist wie zu erwarten war stärkste Fraktion geworden mit 6 Sitzen im neuen StuPa. Im Fachbereich E (Elektrotechnik, Informationstechnik, Medientechnik) erreichte diese Liste sogar um die 70% der Stimmen. Die Juso-Hochschulgruppe verlor trotz des Austritts ihres rechten Flügels in der vergangenen Legislaturperiode und der so stark verkleinerten Wahlliste nur einen Sitz und stellt weiterhin 5 Parlamentarier. Lira ist unverändert mit 4 Sitzen im StuPa vertreten trotz eines recht langweilig geführten Wahlkampfes mit aufgewärmten Slogans und Plakaten aus dem Vorjahr. Eine große Überraschung ist das Ergebnis des RCDS, der dieses Jahr nur mit vier Kandidaten antrat, seine Sitze aber verdoppeln konnte und nun komplett ins StuPa einzieht. Ihre Methode, während der Wahlwoche jeden Tag mehrere Stunden vor der Mensa mit einem Wahlwerbestand Präsenz zu zeigen und das sehr populäre Thema „Uni-Card“ in den Vordergrund zu stellen, hatte Erfolg und führte dazu, dass sie über ihre übliche Klientel hinaus
politisch ungefestigte Wähler mobilisieren konnten, die ansonsten wahrscheinlich nicht einmal zur Wahl gegangen wären. Ob die Betreffenden wissen, wem sie da ihre Stimme gegeben haben, bleibt fraglich. Fest steht jedoch, dass der RCDS nichts dem Zufall überließ und den sichtbarsten und engagiertesten Wahlkampf führte, zum Teil sogar mit auswärtiger Unterstützung aus den RCDS-Hochburgen Bonn und München. Demgegenüber erreichte die liberale Hochschulgruppe LHG ein enttäuschendes Ergebnis. 11 Kandidaten traten an, nur 2 von ihnen schafften den Einzug ins StuPa. Schuld daran könnte der zu zaghaft geführte Wahlkampf gewesen sein. Es schien beinahe, als hätte die LHG sich davor gefürchtet, als Liberale Hochschulgruppe aufzutreten, plakatierte sie doch stets nur als „LHG“ und mit dem eher klassisch sozialdemokratisch als liberal zu verstehenden Slogan „Evolution statt Revolution“. Last but not least hat die Satireliste Bund der Philhellenen wie erwartet keinen Sitz im StuPa erreicht, hat sie doch alle Register gezogen, um nicht gewählt zu werden. Ein für 95% aller Studenten kryptisch erscheinendes Wahlprogramm und Plakate, die entweder triefen vor Selbstironie („Wir haben die Patentlösung!“), unverständliche historische Bezüge beinhalten („Ostrakisiert den Hochschulrat!“) oder auf platteste Unterhaltungseffekte setzen („Sei kein Juso, trink Ouzo!“). Ein StuPa-Einzug der Philhellenen wäre also die mit Abstand größte Überraschung einer an Überraschungen nicht armen StuPa-Wahl gewesen.





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